Wenn ich heute Vanillekipferl backe, fühlt es sich jedes Mal nach einem Stück Kindheit an. Dieses Rezept begleitet meine Familie seit mehreren Generationen und gehört für uns zum Advent wie Kerzenschein und Plätzchenduft. Es stammt tatsächlich aus unserer eigenen Küche – kein generisches Rezept, kein Trendgebäck, sondern ein Klassiker, der seit Jahrzehnten jedes Jahr auf dem Plätzchenteller landet.

Warum dieses Rezept so beliebt ist? Weil die Kipferl genauso werden, wie man sie sich wünscht: zart, mürbe, buttrig und voller echter Vanillenote. Der gerührte Mürbeteig lässt sich problemlos verarbeiten und liefert Kipferl, die im Ofen ihre Form behalten, ohne beim Backen auseinanderzulaufen. Durch das ausgewogene Verhältnis von Butter, Mandeln, Mehl und Vanille entsteht ein Gebäck, das stabil genug ist, um gewälzt zu werden – und dennoch auf der Zunge zergeht. Genau so müssen klassische Vanillekipferl sein.
Warum wir diese Vanillekipferl jedes Jahr wieder machen
Dieses Familienrezept wurde im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert. Änderungen waren nie spektakulär, aber jedes kleine Detail sorgte für mehr Geschmack oder eine noch bessere Konsistenz. Der Teig ist weich, aber nicht klebrig; stabil, aber dennoch zart. Die Kipferl bleiben hell, bekommen nur an den Spitzen leicht Farbe und duften herrlich nach echter Vanille.
Während viele Rezepte auf Puderzucker im Teig setzen, verwenden wir – wie früher – normalen Zucker. Das gibt eine feine Körnung, sorgt für eine schöne goldene Oberfläche und bringt eine leichte Knusprigkeit, die perfekt zur mürben Struktur passt. Ungeschlagener Vorteil: Selbst Anfänger können mit diesem Teig problemlos arbeiten.
Die Zutaten – einfache Basics in bester Qualität
Für klassische Vanillekipferl braucht es nicht viele Zutaten, aber jede einzelne davon beeinflusst das Ergebnis merklich.
Echte Vanille als Aromaquelle
Der Geschmack steht und fällt mit einer guten Vanilleschote oder hochwertigem Bourbon-Vanillezucker. Künstliches Vanillin kann die feine, warme Note echter Vanille nicht ersetzen – besonders nicht bei einem Gebäck wie diesem, das fast ausschließlich von Butter und Vanille lebt.
Weiche Butter für Mürbheit
Butter sorgt für Textur, Aroma und Schmelz. Margarine funktioniert theoretisch, liefert aber ein weniger harmonisches Ergebnis und wird schnell zu weich.
Feiner Zucker statt Puderzucker
Zucker sorgt nicht nur für Süße, sondern für Struktur. Der Griff zum Haushaltszucker statt zu Puderzucker verleiht den Kipferln den typisch zarten Biss.
Mehl und blanchierte Mandeln
Weizenmehl Typ 405 eignet sich perfekt. Die blanchierten Mandeln sind fein gemahlen, sodass der Teig geschmeidiger wird. Alternativ sind auch Haselnüsse möglich, aber sie ergeben ein kräftigeres Aroma.
Ei für Stabilität
Das Ei ist optional, macht den Teig jedoch etwas geschmeidiger und erleichtert das Formen. Wer lieber ohne Ei backt, findet die passenden Mengen später in den Rezept-Anmerkungen.
Die Zubereitung Schritt für Schritt
Damit aus einfachen Zutaten wunderbar mürbe Kipferl werden, lohnt es sich, die Zubereitung bewusst zu planen.
Den Teig vorbereiten
Der Mürbeteig wird – wie ein Rührteig – mit zimmerwarmer Butter verarbeitet, damit sich alle Zutaten gut verbinden. Der Teig wirkt zunächst sehr weich, wird aber nach der Kühlzeit fest genug zum Formen.
Kühlen
Die Kühlzeit ist entscheidend. Mindestens eine Stunde sollte der Teig ruhen, gerne länger. Noch besser funktioniert es, wenn er in vier bis sechs Portionen geteilt wird – das beschleunigt das spätere Temperieren und sorgt dafür, dass man immer mit einer optimal temperierten Teigportion arbeiten kann.
Formen
Der Teig darf beim Formen nicht zu warm werden. Deshalb immer nur kleine Portionen aus dem Kühlschrank holen.
Man rollt zuerst lange dünne Teigstränge, schneidet sie in gleichmäßige Stücke und formt daraus die typischen Kipferl: in der Mitte etwas dicker, an den Enden leicht spitz, aber nicht zu schmal, damit sie im Ofen nicht zu dunkel werden.
Backen
Die Kipferl müssen Platz auf dem Backblech haben, da sie leicht aufgehen. Sie sollten hell bleiben und nur minimal Farbe annehmen. Zu dunkle Ränder deuten auf zu dünn geformte Enden oder eine zu hohe Ofentemperatur hin.
Perfekt wälzen – ohne Bruch
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend:
Zu heiß brechen die Kipferl, zu kalt haftet der Zucker schlecht. Warm – aber nicht mehr heiß – ist optimal.
Wir verwenden traditionell eine Mischung aus Zucker und Vanillezucker. Der Zucker sorgt für Glanz, die Vanille für Aroma. Die Kipferl werden kopfüber in den Zucker gesetzt und von der Unterseite mit einem Löffel bestreut. So bleibt die empfindliche Form erhalten.

Tipps für perfekte Kipferl
Damit das Backen stressfrei und erfolgreich wird, helfen diese Hinweise:
– Der Teig darf beim Formen nicht zu warm werden.
– Zu trockener oder zu kalter Teig neigt zu Rissen.
– Alle Kipferl sollten ähnlich groß sein, damit sie gleichmäßig backen.
– Kipferl bleiben am zartesten, wenn sie hell bleiben.
– Der Teig kann bröselig wirken – kurze Temperierzeit macht ihn wieder geschmeidig.
Häufige Fragen
Warum werden Vanillekipferl hart?
Oft wegen einer zu langen Backzeit oder einem zu festen Teig.
Warum entstehen Risse?
Der Teig war wahrscheinlich zu kalt oder die Mandeln nicht fein genug.
Warum haftet der Zucker nicht?
Kipferl waren zu kalt oder zu lange gebacken.
Kann man sie ohne Ei machen?
Ja – Alternativmengen stehen in den Rezept-Notizen.
Omas Vanillekipferl – ein Familienrezept mit Geschichte
- Total Time: 47 minutes
Ingredients
Für den Teig
220 g weiche Butter
100 g Zucker
1 mittelgroßes Ei (zimmerwarm)
300 g Weizenmehl (Typ 405)
140 g gemahlene blanchierte Mandeln
Mark einer Vanilleschote
Zum Wälzen
50 g Zucker oder Puderzucker
1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker
Instructions
-
Teig herstellen:
Die weiche Butter mit dem Zucker cremig rühren. Das Ei gründlich unterarbeiten. Mehl, Mandeln und Vanillemark mischen und nach und nach zugeben, bis ein geschmeidiger Mürbeteig entsteht. -
Kühlen:
Den Teig in 4–6 Portionen teilen, zu flachen Kugeln formen und in gut verschlossenen Boxen oder in Folie mindestens 1 Stunde – besser über Nacht – kaltstellen. -
Vorbereiten:
Zwei Teigportionen kurz temperieren lassen. Backofen auf 175 °C Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Backblech mit Papier auslegen. Zucker und Vanillezucker in einem tiefen Teller mischen. -
Formen:
Aus dem Teig Stränge rollen, gleichmäßig in Stücke schneiden und zu klassischen Kipferln formen: in der Mitte etwas dicker, an den Enden leicht spitz. -
Backen:
Die Kipferl mit Abstand auf das Blech legen und 9–13 Minuten hell backen. Sie sollen nur leicht Farbe annehmen. -
Wälzen:
Die Kipferl maximal 1 Minute abkühlen lassen, dann warm (nicht heiß!) vorsichtig im Vanillezucker wälzen oder kopfüber hineintauchen und mit einem Löffel bestreuen. -
Abkühlen lassen:
Vollständig auskühlen lassen und in einer Dose mit Backpapierlagen aufbewahren.
Notes
- Ohne Ei:
Wer ohne Ei backen möchte, ersetzt die Zutaten durch:
300 g Mehl, 130 g Mandeln, 100 g Zucker, 250 g Butter, Vanille.
Der Teig ist etwas bröseliger, bleibt aber gut formbar. - Schokokipferl:
Für eine schokoladige Variante 30 g des Mehls durch 30 g Kakaopulver ersetzen. - Aufbewahrung:
In einer luftdicht verschlossenen Dose bleiben die Kipferl mindestens 3 Wochen frisch.
Backpapier zwischen den Lagen verhindert Bruch. - Form-Tipp:
Zu warme Kipferl brechen beim Wälzen leichter. Zu kalte haften schlechter am Zucker – warm ist ideal.
- Prep Time: 35 min
- Cook Time: 12 min
Nutrition
- Calories: 63 kcal
- Fat: 4 g
- Saturated Fat: 0.4 g
- Carbohydrates: 5.9 g








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